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Veröffentlicht am:
5.8.2026

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Platin steigt um 6 %: Wie kommt das?

Während Gold und Silber meist die gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist es jetzt vor allem Platin, das seinen Glanzmoment erlebt. Der Platinpreis sprang heute um mehr als 6 Prozent auf 1.725 US-Dollar pro Feinunze. Dabei durchbrach Platin überzeugend den 200-Perioden-exponentiellen gleitenden Durchschnitt auf dem 4-Stunden-Chart. Zuvor berichteten wir über die Bodenbildungssignale, die Platin zeigte, und nun scheint sich vorsichtig ein Ausbruch abzuzeichnen.

Platin erzwingt einen beeindruckenden Ausbruch auf dem 4-Stunden-Chart. Quelle: TradingView

Hinter diesem Anstieg steckt mehr als reine Spekulation. Der Markt sieht sich mit einer Kombination aus fragiler Produktion, begrenzten Lagerbeständen und neuen Formen der industriellen Nachfrage nach Platin konfrontiert.

Das Angebot reagiert kaum auf höhere Preise

Ein Großteil des weltweiten Platinangebots stammt aus Südafrika und Russland. Damit ist die Produktionskette geografisch stark konzentriert und anfällig für geopolitische Spannungen, Sanktionen, Betriebsstörungen und logistische Unterbrechungen.

Zudem können Bergbauunternehmen nicht einfach zusätzliche Produktion aufnehmen, wenn die Preise steigen. Platin wird überwiegend in tiefen Minen gefördert, während neue Projekte Jahre an Vorbereitung und hohe Investitionen erfordern.

Laut dem World Platinum Investment Council ist das Angebot daher kurz- und mittelfristig stark preisunelastisch. Das bedeutet, dass die Produktion auch bei steigenden Preisen kurzfristig nicht einfach nachzieht. Dadurch ist der Markt besonders anfällig für relativ kleine Rückschläge bei großen Produzenten.

Platin steuert auf das vierte Defizitjahr zu

Für Platin prognostiziert der World Platinum Investment Council für 2026 ein Defizit von 297.000 Feinunzen. Die oberirdischen Lagerbestände sollen bis zum Jahresende auf weniger als drei Monate des weltweiten Verbrauchs sinken. Gleichzeitig dürfte die Minenproduktion voraussichtlich weitgehend stabil bleiben.

Das ist wichtig. Ein Defizit bedeutet nicht automatisch, dass der Preis jeden Tag steigt, da bestehende Lagerbestände die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage vorübergehend ausgleichen können. Doch je kleiner dieser Puffer wird, desto eher kann eine Störung in Südafrika oder Russland unverhältnismäßig große Marktbewegungen auslösen.

Johnson Matthey kommt zu einer ähnlichen Schlussfolgerung, nämlich dass die Nachfrage nach Platin 2026 erneut größer sein wird als das Angebot. Man rechnet mit einer robusten industriellen Nachfrage, kombiniert mit begrenzter Minen produktion. Damit wäre es das vierte Jahr in Folge mit einem Defizit.

Die Nachfrage ist breiter als nur die Automobilindustrie

Platin wird in Katalysatoren, der chemischen Industrie, der Glasproduktion, im Schmuck und in Rechenzentrumsausrüstung eingesetzt. Vor allem Letzteres ist eine auffällige Entwicklung. Johnson Matthey erwartet, dass der Bau von Rechenzentren die Nachfrage nach Platin unterstützt, da das Metall in den magnetischen Schichten verwendet wird, mit denen Informationen auf Festplatten gespeichert werden.

Auch Wasserstoff bleibt ein möglicher Wachstumstreiber für Platin. Das Metall spielt eine Rolle in PEM-Elektrolyseurenund Brennstoffzellen. Dieser Markt ist jedoch noch klein. Laut WPIC entfielen 2025 weniger als 1 Prozent der gesamten Platinnachfrage auf Wasserstoff, wobei dieser Anteil bis 2030 auf rund 11 Prozent steigen könnte.

Das ist vielversprechend, aber kein Grund, den aktuellen Preisanstieg vollständig der Wasserstoffwirtschaft zuzuschreiben. Projektverzögerungen und eine Verschiebung hin zu alkalischen Elektrolyseuren, die in der Regel keine oder weniger Platinmetalle benötigen, bremsen dieses Wachstum. Wasserstoff bleibt vorerst vor allem eine Option auf zukünftige Nachfrage, nicht der Treiber des aktuellen Marktes.

Der Preisanstieg ist interessant, aber nicht risikofrei

Laut Experten besteht also ein strukturelles Platindefizit, schrumpfende Lagerbestände und schwer skalierbare Produktion. JPMorgan erwartet, dass Platin bis Ende 2026 bei rund 1.800 US-Dollar pro Feinunze notieren könnte, unter anderem wegen der Angebotsprobleme in Südafrika. Ein deutlicher Schritt in diese Richtung wurde heute bereits mit dem Kurssprung auf 1.728 US-Dollar pro Feinunze gemacht.

Doch auch Platin bleibt zyklisch. Eine weltweite Rezession könnte die industrielle Nachfrage treffen, während hohe Zinsen nicht verzinsliche Edelmetalle weniger attraktiv machen. Steigende Preise können außerdem die Schmucknachfrage bremsen und das Recycling fördern. WPIC erwartet für 2026 bereits einen Rückgang der Platin nachfrage aus dem Schmucksektor, unter anderem aufgrund des höheren Preises und des Drucks auf Verbraucherbudgets.

Fazit

Der Platinpreis springt um mehr als 6 % durch ein strukturelles Defizit, begrenzte Lagerbestände und ein knappes Angebot. Was steckt hinter diesem Anstieg?

Thom Derks

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.