Gold spielt eine wachsende Rolle in den Portfolios der reichsten Familien der Welt
Family Offices, professionelle Organisationen, die das Vermögen einer einzelnen Familie verwalten, setzen in ihren Portfolios zunehmend auf Gold. Viele der reichsten Familien der Welt lassen von diesen Organisationen jeweils mehr als 1 Milliarde US-Dollar an Kapital verwalten.
Bankriese UBS befragte 307 Family Offices mit einem durchschnittlichen Vermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar. Daraus entstand der Global Family Office Report 2026, der unter anderem eine interessante Erkenntnis über Gold enthält.
Die reichsten Familien setzen auf Gold
Aus der UBS-Studie geht hervor, dass Gold im Jahr 2025 2 Prozent der Portfolios der befragten Family Offices ausmachte. Interessant ist, dass für 2026 ein Anstieg auf 3 Prozent erwartet wird. Das entspräche einer Erhöhung der Goldallokation um 50 Prozent.
UBS stellte außerdem fest, dass die reichsten Familien der Welt Gold nicht in erster Linie einsetzen, um Rendite zu erzielen. Gold liegt nicht im Portfolio, um noch reicher zu werden. Es dient dazu, das bereits aufgebaute Vermögen zu schützen.
Gold bietet Schutz in einer Welt zunehmender geopolitischer Unsicherheit und bildet ein Gegengewicht zum sinkenden Vertrauen in den US-Dollar.
Durch die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz wird es beispielsweise immer schwieriger, die geopolitische Zukunft vorherzusagen. Vielleicht liegt das wirtschaftliche Zentrum der Welt auch in zehn Jahren noch in den Vereinigten Staaten. Das ist durchaus möglich.
Es könnte sich jedoch auch beispielsweise nach China verlagern. Anleger sollten sich fragen, was ein solches Szenario für ein Aktienportfolio bedeuten würde, dessen Schwerpunkt auf den Vereinigten Staaten liegt.
Aus dieser Perspektive bietet Gold einen gewissen Schutz vor geopolitischer Unsicherheit. Es ist politisch und wirtschaftlich neutral. Für die Funktionsweise von Gold spielt es keine Rolle, wo sich das wirtschaftliche Zentrum der Welt befindet. Bei Aktien von Apple, Nvidia oder Microsoft ist das anders.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt. Eine Aktie, ein Bankguthaben oder eine Anleihe ist letztlich von einer Gegenpartei abhängig. Physisches Gold ist das nicht. Es ist keine Verbindlichkeit eines Unternehmens, einer Bank oder eines Staates. Gerade in Szenarien, in denen das Vertrauen in Finanzinstitutionen unter Druck gerät, ist das eine besondere Eigenschaft.
Es ist interessant zu sehen, dass die reichsten Familien der Welt, oder zumindest die Teams, die ihr Vermögen verwalten, zu derselben Schlussfolgerung kommen. Sie beabsichtigen sogar, die Rolle von Gold in ihren Portfolios weiter auszubauen.
Die Entscheidung für Gold bedeutet nicht, dass diese Familien pessimistisch sind. Im Gegenteil. Künstliche Intelligenz ist laut derselben Studie das wichtigste Anlagethema und 65 Prozent sind bereits in der KI-Wertschöpfungskette engagiert.
Die Botschaft lautet also nicht: Wachstum verkaufen und Gold kaufen. Vielmehr geht es darum, vom Wachstum zu profitieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass ein Teil des Vermögens nicht von einem einzigen wirtschaftlichen Szenario abhängig ist. Gerade die Kombination ist entscheidend. Aktien und Gold schließen einander nicht aus.
In Jahrzehnten denken, nicht in Quartalen
Dass Family Offices zunehmend bei Gold landen, ist nicht überraschend. Solche Organisationen denken in Jahrzehnten und nicht in Quartalen, Monaten oder Wochen. Es geht um Vermögen, das über mehrere Generationen aufgebaut wurde, aber nur einmal verloren werden kann.
Sie haben tatsächlich etwas zu schützen. Aus dieser Perspektive ist es nachvollziehbar, dass Family Offices auf Schutz und Einfachheit setzen.
Gold erfüllt seit Jahrtausenden dieselben Funktionen. Daran dürfte sich vorerst wenig ändern. Im Gegenteil: Die Schuldenstände von Staaten auf der ganzen Welt scheinen immer schwieriger zu beherrschen.
Steigende Anleiherenditen erhöhen die Zinskosten der Staaten. Haushaltsdefizite wachsen, weitere Schulden müssen aufgenommen werden und der Kreislauf beginnt von vorn. Es entsteht der Eindruck einer sich selbst verstärkenden Schuldenspirale.
Für Anleger, die in Jahrzehnten denken, kann es daher sinnvoll sein, zumindest einen kleinen Teil des Portfolios gegen Inflation und geopolitische Unsicherheit abzusichern.
Vielleicht ist das die wichtigste Lehre aus der UBS-Studie. Diese Familien versuchen nicht, exakt vorherzusagen, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird. Sie versuchen, ein Portfolio aufzubauen, das auch dann stabil bleibt, wenn ihre Prognose falsch ist. Gold übernimmt dabei erneut eine kleine, aber zunehmend wichtigere Rolle.
Wir leben wieder in einer Zeit, in der man kein Querdenker ist, nur weil man Gold besitzt. Das war nicht immer so.
Eine UBS-Studie zeigt: Gold spielt in den Portfolios der reichsten Familien der Welt eine wachsende Rolle und soll Vermögen in unterschiedlichen Szenarien schützen.

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.
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