Gold, Silber und Platin steigen: Angst vor Staatsschulden kehrt zurück
Der Edelmetallkomplex baut langsam Momentum auf. Diese Woche sahen wir zum Beispiel den Goldpreis erstmals seit längerer Zeit über 4.400 Dollar pro Feinunze steigen. Im vergangenen Monat erzielte Gold sogar eine Rendite von über 8,10 Prozent, während der Silberpreis und der Platinpreis mit Zuwächsen von 13,01 Prozent beziehungsweise 11,25 Prozent noch besser abschnitten.

In aktuellen Ausgaben des Newsletters haben wir das günstige technische Bild für Gold, Silber und Platin mehrfach besprochen. Nach der enormen Hausse, die im Januar 2026 ihren Höhepunkt erreichte, begann eine Phase scharfer Kursrückgänge. Bereits seit einiger Zeit gaben die Charts Signale, dass der Markt überverkauft war.
Gleichzeitig fiel der Goldpreis bei schlechten Nachrichten nicht mehr, etwa bei steigenden Ölpreisen, Inflationserwartungen und Anleiherenditen. Diese Kombination von Faktoren zeichnete ein günstiges Bild für Gold und andere Edelmetalle.
Die amerikanische Schuldenfalle kehrt auf die Agenda zurück
Vermutlich spielt jedoch noch ein anderes Thema eine Rolle, nämlich die Staatsschulden der Vereinigten Staaten. Dieses Problem wurde in den vergangenen Monaten an den Finanzmärkten etwas in den Hintergrund gedrängt, weil praktisch alle Aufmerksamkeit der künstlichen Intelligenz galt.
Inzwischen sehen wir jedoch wieder immer mehr seriöse Akteure, die zu diesem Thema publizieren. So erschien diese Woche ein recht düsterer Beitrag in The Telegraph zu diesem Thema, in dem große Namen aus der Finanzwelt fundiert ihre Zweifel an der Tragfähigkeit der US-Staatsschulden äußerten.
„Eine gefährliche Überzeugung schleicht sich in die Märkte ein: dass die Vereinigten Staaten inzwischen so tief in einer sich selbst verstärkenden Schuldenfalle stecken, dass sie es nicht mehr wagen, die Zinsen zu erhöhen, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen", so beginnt der Beitrag in The Telegraph.
Das US-Finanzministerium ist nämlich stark abhängig geworden von kurzfristiger Finanzierung über Hedgefonds. Viele dieser Akteure beziehen Geld aus dem enormen US-Geldmarkt von 8.300 Milliarden Dollar, wobei einige Fonds mit einem Hebel von bis zu 100-mal ihrem Eigenkapital arbeiten.
Gleichzeitig nimmt der Anteil stabilerer Käufer, wie ausländischer Zentralbanken und Staatsfonds, immer weiter ab.
Laut Steven Blitz, Chefökonom für die Vereinigten Staaten bei TS Lombard, kann die Federal Reserve die Zinsen dadurch nicht aggressiv erhöhen, ohne eine Kettenreaktion zu riskieren. Die Finanzierungskosten könnten seiner Ansicht nach dann „explodieren".
„Eine Zinserhöhung trifft heutzutage nahezu unmittelbar die Finanzierungskosten von fast 25 Prozent der US-Staatsschulden, gerade in dem Teil des Marktes, in dem die Emission am schnellsten wächst", so Blitz.
Hinzu kommt, dass das US-Finanzministerium alle drei Monate rund 6.000 Milliarden Dollar an bestehenden Schulden refinanzieren muss, in einem Markt, der immer kritischer wird.
Darüber hinaus muss Washington jährlich etwa 2.000 Milliarden Dollar an neuen Schulden ausgeben, um das größte strukturelle Haushaltsdefizit der amerikanischen Geschichte in Friedenszeiten zu finanzieren.
Auch der gesamte Finanzierungsbedarf steigt rasch. Im Jahr 2010 betrug der jährliche Bruttofinanzierungsbedarf der US-Regierung noch 26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Laut dem Internationalen Währungsfonds steigt dieser Prozentsatz in diesem Jahr auf 45 Prozent. Bei unveränderter Politik könnte er Anfang der 2030er-Jahre sogar auf 60 Prozent zusteuern. Für Ratingagenturen und Anleiheinvestoren ist dies ein wichtiger Warnindikator.
Keine Großmacht in der Geschichte konnte derartige Finanzierungsbedarfe langfristig überstehen.

Notmaßnahmen beim japanischen Yen legen den Druck offen
Dass man sich innerhalb der US-Regierung Sorgen über dieses Problem macht, wurde auch beim gemeinsamen Eingriff mit Japan zur Stützung des Yen deutlich.
Der japanische Yen hat in letzter Zeit gegenüber dem US-Dollar stark an Wert verloren. Das stellt unter anderem eine Gefahr für die USA dar, weil Japan mehr als 1 Billion Dollar an US-Staatsanleihen hält. Diese könnte es theoretisch abstoßen, um anschließend japanische Yen zu kaufen und die eigene Währung zu stützen.
Das würde jedoch zu noch höheren Anleiherenditen am amerikanischen Markt führen. Aus diesem Grund haben auch die USA ein Interesse daran, dass sich der japanische Yen stabilisiert. Dazu wurde unter anderem eine Konstruktion entwickelt, bei der Japan seine US-Staatsanleihen bei der Federal Reserve gegen Dollar verpfänden konnte, damit es diese nicht am Markt abstoßen muss.
Zudem leistete das US-Finanzministerium seinen Beitrag, indem es Euro gegen japanische Yen verkaufte. Am bemerkenswertesten war, dass die USA diese Aktion durchführten, ohne zuvor die Europäische Zentralbank (EZB) zu informieren. Laut The Telegraph deutet das auf ein Stück Verzweiflung innerhalb der amerikanischen Regierung hin.
Fundamentales Narrativ für Edelmetalle kehrt zurück
Der entscheidende Punkt ist vor allem, dass die US-Staatsschulden in den Köpfen der Anleger wieder zum Thema zu werden scheinen. Insbesondere durch die steigenden Zinsen und die Erkenntnis, dass die US-Regierung dann auch diese höheren Zinsen auf ihre Staatsschulden zahlen muss.
Die Hoffnung ist, dass künstliche Intelligenz für eine derartige Produktionsrevolution sorgt, dass alles günstiger wird und Inflation in der Zukunft kein Problem mehr darstellt. Vorerst scheint das jedoch noch weit entfernt, und die enorme Investitionswelle — man denke an den Bau von Rechenzentren — sorgt vor allem für zusätzliche Nachfrage nach Rohstoffen und damit für Inflation.
Somit beginnt sich für Gold, Silber und Platin vorsichtig wieder ein kraftvolles fundamentales Narrativ zu formen. Im Vorfeld der Zwischenwahlen im November in den Vereinigten Staaten könnte das noch mehr Aufmerksamkeit erhalten, denn für die Demokraten ist es attraktiv, dies in den Wahlkampagnen anzusprechen.
Ganz langsam entstehen so wieder die Konturen einer Hausse für Edelmetalle. Die größte Bedrohung liegt dabei im Anstieg der Anleiherenditen, die aufgrund der enormen KI-Investitionen und des Iran-Kriegs stark gestiegen sind. Die 30-jährige Rendite liegt beispielsweise auf dem höchsten Stand seit 2007.

Für Gold und Silber wäre es daher eine gute Entwicklung, wenn der Krieg im Iran schnell zu Ende geht. Vorerst sieht es jedoch nicht danach aus.
Gold, Silber und Platin steigen, da die Sorgen um die US-Staatsschulden zurückkehren. Erfahren Sie, warum dies ein fundamentales Narrativ für Edelmetalle bildet.

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.




