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Veröffentlicht am:
17.8.2026

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Der Goldpreis steigt wieder und das ist der Grund

Der Goldpreis hält sich auffallend stark. In der vergangenen Woche begann Gold plötzlich eine kleine Korrektur, doch inzwischen liegt der Kurs wieder bei 4.400 Dollar pro Feinunze. Dass wir Gold vom Niveau von 4.000 Dollar pro Feinunze aus wieder vorsichtig steigen sehen, ist bemerkenswert, denn die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen befinden sich nach wie vor auf historisch hohem Niveau.

Normalerweise stellt das gerade einen deutlichen Gegenwind für Gold dar. Anleger erhalten für das Edelmetall schließlich keine Zinsen, wodurch Staatsanleihen attraktiver werden, sobald deren Renditen steigen.

Aus mehreren Gründen scheint Gold sich davon derzeit nichts anzumerken:

  • Die Wirtschaftsdaten der vergangenen Wochen — ein schwächerer Arbeitsmarkt, geringere Konsumausgaben und abgekühlte Inflationszahlen — bedeuten, dass die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen der US-Notenbank gesunken ist.
  • Der US-Dollar schwächt sich ab, weil der Markt eine weniger strenge Haltung der Notenbank erwartet.
  • Die Gold-ETFs beginnen langsam aber sicher wieder Kapitalzuflüsse zu generieren.

Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung deutlich gesunken

Eine große Veränderung sehen wir bei den Erwartungen rund um die Zinspolitik der US-Notenbank. In den vergangenen Wochen erschienen mehrere US-Makrozahlen, die schwächer ausfielen als erwartet. Der Arbeitsmarkt kühlte also ab, der Verbraucher wird vorsichtiger, und die Inflation fiel milder aus.

Im Juli sanken beispielsweise die US-Einzelhandelsumsätze um 0,6 Prozent. Das war der erste Rückgang seit neun Monaten. Gleichzeitig schwächte sich das Verbrauchervertrauen ab. Für die US-Notenbank sind das Gründe, bei etwaigen Zinserhöhungen etwas vorsichtiger zu sein.

Für Gold ist das ein positives Signal. Höhere Leitzinsen der Zentralbanken erhöhen normalerweise die Attraktivität zinstragender Staatsanleihen, mit denen Gold und andere Edelmetalle nahezu unmittelbar konkurrieren.

Schwächerer Dollar gibt Gold zusätzliche Unterstützung

Im Zuge der sinkenden Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank sahen wir auch den Dollar fallen. Lange Zeit wurde der US-Dollar 2026 gerade stärker, doch nun scheint die Weltreservewährung vorsichtig an Kraft zu verlieren. Auch das ist günstig für Gold.

Der Markt war seit 2015 nicht so optimistisch auf den US-Dollar positioniert wie heute. Quelle: Eliant Capital/X

Interessant ist, dass wir diese Schwäche beim US-Dollar zu einem Zeitpunkt sehen, an dem die Positionierung unter professionellen Anlegern gerade extrem optimistisch ist. Der obige Chart von Eliant Capital zeigt, dass diese seit 2015 nicht so optimistisch war wie heute im Jahr 2026.

In der Regel ist eine extrem positive Positionierung bei Vermögenswerten auch ein Signal dafür, dass eine Umkehr in der Luft liegt. In diesem Fall scheint das ebenfalls einzutreten, da der US-Dollar langsam an Momentum verliert.

Hohe Anleiherenditen bleiben das ungewöhnliche Element

In der großen Erzählung bleibt jedoch eine auffällige Ausnahme bestehen, nämlich der US-Anleihemarkt. Die langfristigen Renditen bleiben außergewöhnlich hoch, trotz der schwächeren Wirtschaftszahlen und der sinkenden Erwartungen an Zinserhöhungen.

Das hat wahrscheinlich mit den folgenden Umständen oder Faktoren zu tun:

  • Der Iran-Krieg sorgt nach wie vor für einen relativ hohen Ölpreis. Dadurch kann die Inflation mittelfristig wieder Fahrt aufnehmen.
  • Die enorme Kapitalnachfrage durch KI-Investitionen treibt die Renditen weiter nach oben.
  • Die Sorgen über die US-Staatsschulden flammen wieder auf, unter anderem wegen der höheren Zinsen.

Genau dort entsteht ein interessantes Spannungsfeld für Gold. Wenn Anleiherenditen steigen, weil die Wirtschaft stark wächst, ist das in der Regel negativ für Gold. Steigen dieselben Renditen jedoch aufgrund von Zweifeln und Angst, kann das gerade zusätzliche Nachfrage nach Gold erzeugen.

Westliche Anleger kehren zu Gold zurück

Eine weitere positive Entwicklung ist, dass die Nachfrage nach Gold über ETFs wieder anzieht. Die weltweiten Gold-ETFs verzeichneten im Juli Zuflüsse von rund 3 Milliarden Dollar an neuem Kapital, was etwa 23 Tonnen Gold entspricht. Damit endeten zwei Monate mit Abflüssen.

Auch am Terminmarkt nimmt das Interesse zu. Das ist wichtig, denn der Goldmarkt wurde in den vergangenen Jahren stark von Zentralbanken und physischen Käufern aus Asien getragen. Nun beginnen sich auch westliche Finanzanleger wieder deutlicher einzumischen.

Unterdessen bleibt die Nachfrage der Zentralbanken robust. Im zweiten Quartal kauften sie schätzungsweise etwa 289 Tonnen Gold. Diese strukturelle Nachfrage kann mit erklären, warum sich Gold trotz hoher Zinsen so gut behaupten kann.

Immer mehr Anleger nehmen das Edelmetall in ihr Portfolio auf, um Diversifikation aufzubauen. Der Aktienmarkt bewegt sich zunehmend auf Basis eines einzigen Themas, nämlich künstlicher Intelligenz, und der Kauf von Gold ist theoretisch eine Möglichkeit, dem ein Gegengewicht entgegenzusetzen.

Der Goldpreis hat sich stabilisiert und erholt sich vorsichtig in Richtung 4.400 Dollar. Warum steigt Gold jetzt, trotz hoher Anleiherenditen?

Thom Derks

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.