Urlaubsgeld erhalten? So hat sich Gold im vergangenen Jahr entwickelt
In diesem Monat erhalten viele Arbeitnehmer ihr Urlaubsgeld. Damit stellt sich sofort die Frage: Was macht man damit? Für die meisten Menschen fließt das Geld in einen Urlaub, auf das Sparkonto oder in eine größere Anschaffung. Aber was wäre gewesen, wenn du diesen Betrag vor einem Jahr in Gold investiert hättest?
In Deutschland ist Urlaubsgeld nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber viele Tarifverträge und Arbeitsverträge sehen eine zusätzliche Zahlung vor. Für Arbeitnehmer, die Urlaubsgeld erhalten, läuft es häufig auf mehrere hundert bis einige tausend Euro hinaus. Um zu sehen, was eine Investition in Gold gebracht hätte, vergleichen wir den Goldpreis vom 22. Mai 2025 mit dem vom 22. Mai 2026.
Am 22. Mai 2025 kostete Gold etwa 93,88 Euro pro Gramm. Ein Jahr später lag der Goldpreis bei rund 124,90 Euro pro Gramm. Damit stieg Gold innerhalb von zwölf Monaten um etwa 33 Prozent.

Wer vor einem Jahr 2.300 Euro Urlaubsgeld in Gold investiert hätte, hätte daraus heute etwa 3.060 Euro gemacht. Das entspricht einem Gewinn von rund 760 Euro.
Im Nachhinein betrachtet hat es sich also durchaus gelohnt, das Urlaubsgeld in Gold zu parken. Das bietet natürlich keinerlei Garantie für das kommende Jahr, aber die fundamentale Grundlage für Gold steht nach wie vor fest.
Die Rückkehr der Inflation
Im Hintergrund kehrt nämlich ein altes Thema zurück: Inflation. Durch den Krieg im Iran wächst weltweit die Angst vor einer neuen Energiekrise. Wenn Öl- und Gaspreise weiter steigen, könnte das die Inflation erneut anheizen.
Die ersten Signale dafür sind bereits auf den Anleihemärkten sichtbar. Anleger fordern höhere Zinsen auf Staatsanleihen, weil sie mit höherer Inflation und möglicherweise strengerer Geldpolitik der Zentralbanken rechnen.
Nicht nur die Zinsen auf amerikanische Staatsanleihen steigen. Auch in Europa und Japan stehen die Zinsen unter Aufwärtsdruck.
Für Gold ist das kurzfristig eine zwiespältige Geschichte. Höhere Zinsen und ein stärkerer US-Dollar können den Goldpreis vorübergehend unter Druck setzen. Aber langfristig wird das Bild gerade interessanter.
Denn höhere Zinsen machen es für Staaten teurer, ihre Schulden zu finanzieren. Und genau darin liegt eines der wichtigsten Argumente für Gold.
Staaten versinken immer tiefer in Schulden
Die Schuldenlage der Staaten ist weltweit bereits angespannt, und die aktuelle Situation macht dieses Problem nicht kleiner. Auch Deutschland steht vor wachsenden Herausforderungen: Nach Jahren der schwarzen Null wurden die Schuldenbremse gelockert und die Ausgaben deutlich erhöht, insbesondere für Verteidigung und Infrastruktur. Die Frage, wie diese Ausgaben langfristig finanziert werden, bleibt offen.
Weltweit ist das Bild vergleichbar. Die Vereinigten Staaten steuern in diesem Haushaltsjahr auf ein Haushaltsdefizit von rund 1,9 Billionen Dollar zu, was 5,8 Prozent des BIP entspricht. Laut CBO zahlt Washington im Jahr 2026 mehr als 1 Billion Dollar an Nettozinsen auf die Staatsschulden. Damit fließen etwa 14 Prozent aller Bundesausgaben in Zinszahlungen.
Anders ausgedrückt: Ungefähr jeder siebte Dollar, den die amerikanische Regierung ausgibt, fließt nicht in Verteidigung, Gesundheit oder soziale Sicherheit, sondern in die Finanzierung alter Schulden.
Dieses Problem wird durch den Krieg im Iran, höhere Inflation und steigende Marktzinsen nicht kleiner. Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Länder neue Schulden aufnehmen müssen, um bestehende Schulden zu refinanzieren und Haushaltsdefizite zu schließen.
Das schafft theoretisch langfristig ein besseres Umfeld für Gold. Besonders wenn Anleger das Vertrauen in die Tragfähigkeit der Haushalte und die Kaufkraft der Währungen verlieren.
Gold als Schutz vor politischer Unsicherheit
Dazu kommt ein zweites Argument: geopolitische Unsicherheit.
Die Welt ist unruhiger geworden. Der Krieg im Iran sorgt für Spannungen auf dem Energiemarkt, während der Kampf um die technologische Vormachtstellung zwischen den USA und China immer wichtiger wird.
Niemand kann derzeit mit Sicherheit sagen, ob Amerika den KI-Wettrüsten gewinnt oder ob China langfristig die Führung übernimmt. Diese Unsicherheit macht politisch und wirtschaftlich unabhängige Vermögenswerte attraktiver.
Einfach ausgedrückt: Für Gold spielt es keine Rolle, ob Amerika oder China der Weltführer von morgen wird. Für Aktien von Unternehmen wie Apple, Google oder Nvidia kann das hingegen entscheidend sein.
In diesem Zusammenhang wird Gold relativ attraktiver. Nicht weil dein gesamtes Portfolio aus Gold bestehen sollte, sondern weil eine kleine Allokation ein Gegengewicht zu Inflation, Schulden und geopolitischer Unsicherheit bilden kann.
Silber profitiert möglicherweise doppelt
Gold ist jedoch nicht das einzige Edelmetall, das interessant ist. Auch Silber verdient Aufmerksamkeit.
Silber hat nämlich ein besonderes Profil. Einerseits ähnelt es Gold, weil Anleger es als Schutz vor Inflation, Währungsabwertung und finanzieller Unsicherheit kaufen können. Andererseits ist der Silberpreis viel stärker mit der Realwirtschaft verbunden.
Das Metall wird in Solarmodulen, Elektronik, Elektroautos, Halbleitern und verschiedenen industriellen Anwendungen eingesetzt. Damit profitiert Silber nicht nur von denselben monetären Sorgen wie Gold, sondern möglicherweise auch vom strukturellen Wachstum der KI-Wirtschaft.
Denn hinter künstlicher Intelligenz steckt eine gigantische physische Infrastruktur. Rechenzentren, Chips, Stromnetze, Kühlung, Solarmodule, Batterien und andere industrielle Anwendungen benötigen alle Rohstoffe. Silber spielt dabei eine viel größere Rolle, als viele Anleger denken.
Damit hat Silber theoretisch zwei Antriebskräfte hinter sich. Wenn die Inflation zurückkehrt und Anleger Schutz suchen, kann Silber als monetäres Metall profitieren. Und wenn die KI-Revolution weiterhin für enorme Investitionen in Infrastruktur und Elektrifizierung sorgt, kann Silber auch als Industriemetall profitieren.
Das macht Silber spannender als Gold, aber auch volatiler. Der Silberpreis steigt in optimistischen Phasen oft stärker, kann aber auch deutlicher fallen, wenn die Wirtschaft abkühlt oder Anleger weniger Risiko eingehen wollen.
Nicht spannend, aber klug
In Gold oder Silber zu investieren ist vielleicht nicht die aufregendste Verwendung für dein Urlaubsgeld. Dennoch kann es im aktuellen Umfeld eine kluge Überlegung sein.
Gold bietet vor allem Schutz vor Inflation, Staatsschulden und geopolitischer Unsicherheit. Silber fügt dem eine zusätzliche Dimension hinzu, da es auch von der strukturellen Nachfrage aus der KI-Wirtschaft und der Energiewende profitieren kann.
Das bedeutet nicht, dass du dein gesamtes Urlaubsgeld in Edelmetalle stecken solltest. Aber wer einen Weg sucht, sein Vermögen etwas unabhängiger von Aktien, Anleihen und Währungen zu machen, kann Gold und Silber kaum ignorieren.
Besonders in einer Welt, in der die Inflation zurückkehrt, die Schulden weiter steigen und die Machtverhältnisse durch KI neu gezeichnet werden.
Fazit
Viele Deutsche erhalten in diesem Monat Urlaubsgeld. Warum Gold und Silber in Zeiten von Inflation, Schulden und geopolitischer Unsicherheit eine sinnvolle Option sein können.

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.





