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Veröffentlicht am:
9.7.2026

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Neuer Ölschock kollidiert mit technischen Bodensignalen für Gold

Die Woche begann noch positiv für Gold, bis am Mittwochmorgen klar wurde, dass der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran vorbei ist. Nachdem die Konfliktparteien gegenseitig Angriffe austauschten, begannen die Ölpreise zu steigen – und damit auch die Zinsen und der US-Dollar.

Normalerweise können Gold und die Aktienmärkte geopolitische Spannungen relativ gut verkraften. Auf den Zinsmärkten herrscht jedoch nun das Gefühl, dass die Zentralbanken zu dem Schluss kommen müssen, dass der Iran und die Schließung der Straße von Hormus kein vorübergehendes Problem sind.

In der gesamten Breite der globalen Anleihemärkte steigen die Renditen, und die Sorgen nehmen zu, während das Inflationsproblem noch nicht gelöst war. Nun droht ein neuer Inflations- und Zinsschock.

Bullische Divergenz kollidiert mit neuem Makrodruck

Insbesondere aus technischer Sicht kommt der erneute Fokus auf Öl für Gold zur Unzeit. In der jüngsten Vergangenheit gab es immer mehr Signale, dass der Verkaufsdruck nachließ. Selbst jetzt sucht der Goldpreis weiterhin Unterstützung am 0,382-Fibonacci-Niveau des Anstiegs vom Tief 2022 bis zum Hoch im Januar 2026.

Dieses Niveau liegt bei etwa 4.084 US-Dollar pro Feinunze und markiert grob den Punkt, an dem Gold rund 38 Prozent des gesamten Anstiegs wieder abgegeben hat. Solche Fibonacci-Niveaus sind keine exakte Wissenschaft, fungieren an den Finanzmärkten aber häufig als Zonen, in denen Käufer und Verkäufer sich neu positionieren.

Chart Goldpreis mit 0,382-Fibonacci-Niveau und 21-Tage-EMA

Unterstützung gesucht, aber noch kein Ausbruch

In diesem Chart sehen wir, dass Gold tatsächlich versucht, sich um dieses Niveau zu stabilisieren. Der Kurs ist zuletzt wieder darüber gestiegen, tut sich aber schwer, überzeugend durchzustarten. Auch der 21-Tage-EMA, der derzeit bei etwa 4.170 US-Dollar liegt, bildet noch einen ersten Widerstand.

Damit bleibt das technische Bild fragil, aber nicht ohne Perspektive. Solange Gold am 0,382-Fibonacci-Niveau Käufer anzieht, besteht weiterhin die Chance, dass sich hier ein vorübergehender oder sogar bedeutenderer Boden bildet. Eine überzeugendere Erholung erfordert jedoch einen Ausbruch über den 21-Tage-Durchschnitt und letztlich mehr Abstand zu dieser Unterstützungszone.

Was der RSI verrät

Neben der Unterstützung am 0,382-Fibonacci-Niveau bildet sich auf demselben Tageschart eine bullische Divergenz für Gold. Diese entsteht, wenn der Kurs ein niedrigeres Tief markiert, während der RSI ein höheres Tief verzeichnet. Da der RSI ein Momentum-Indikator ist, deutet dies darauf hin, dass der Rückgang von Gold mit einem schwächeren Abwärtsmomentum einhergeht.

Chart mit bullischer Divergenz zwischen Goldpreis und RSI

Das ist in der Regel ein konstruktives Signal. Der Kurs steht weiterhin unter Druck, doch die Überzeugung der Verkäufer scheint nachzulassen. Anders gesagt: Der Verkaufsdruck beginnt sich abzuschwächen, während Käufer vorsichtig an wichtigen technischen Niveaus zurückkehren.

Umso bedauerlicher ist es, dass gerade jetzt erneut ein möglicher Öl- und Zinsschock entsteht. Diese Kombination stützt den US-Dollar und setzt Gold kurzfristig wieder unter Druck. Dadurch bleibt die technische Erholung fragil, trotz der sichtbaren Verbesserung beim Momentum.

Vorerst bleibt das Bild daher gemischt. Die bullische Divergenz gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus, doch eine überzeugendere Erholung erfordert weitere Bestätigung. Dabei bleibt der 21-Tage-EMA bei rund 4.170 US-Dollar eine wichtige erste Hürde.

Dennoch ein positiver Aspekt für Gold

Theoretisch gibt es auch ein Szenario, in dem sich die jüngste Marktdynamik positiv für Gold auswirken könnte. Kurzfristig liegt das nicht unmittelbar nahe. Steigende Zinsen gehen meist mit einem stärkeren US-Dollar einher und wirken damit als Gegenwind für den Goldpreis. Auf etwas längere Sicht könnte sich das Bild jedoch ändern.

Das Risiko für den KI-Komplex

Der Anstieg der Anleiherenditen stellt vor allem ein Risiko für den KI-Komplex dar. Viele KI-bezogene Aktien haben den Charakter von Long-Duration-Assets. Das sind Unternehmen, bei denen ein großer Teil der erwarteten Gewinne weiter in der Zukunft liegt, wodurch die Bewertung empfindlicher auf höhere Zinsen reagiert. Gerade dort könnte ein neuer Energieschock den größten Schaden anrichten.

Zeitlich betrachtet kommen die neuen Spannungen rund um den Iran daher zu einem verwundbaren Moment. Bevor das Ende des Waffenstillstands bekannt wurde, standen die größten Gewinner innerhalb des KI-Komplexes bereits unter Druck, und es kam zu deutlichen Kursrückgängen.

Hinzu kommt, dass die Zweifel wachsen, ob diese Unternehmen das enorme Gewinnwachstum der vergangenen Monate und Jahre aufrechterhalten können. Der Markt hat weiterhin Vertrauen in die KI-Story, scheint aber nicht mehr bereit, um jeden Preis einzusteigen.

Anleger werden selektiver

Anleger werden selektiver. KI-Unternehmen mit attraktiverer Bewertung finden weiterhin Unterstützung, während teurere Namen häufiger gemieden werden. Das ist an sich kein Problem, aber Selektivität ist etwas anderes als breite Risikobereitschaft.

Unter ruhigen Marktbedingungen kann eine Rotation von teuren KI-Aktien zu günstiger bewerteten Alternativen gesund sein. In einem Umfeld mit Ölschock, steigenden Zinsen und einem stärkeren US-Dollar wird dieselbe Rotation jedoch anfälliger.

Raum für Gold als sicherer Hafen

Sollte dies zu einer schärferen Korrektur bei Chip-Indizes und anderen KI-bezogenen Aktien führen, könnte sich Raum für Gold ergeben, einen Teil des Momentums zu übernehmen. Dafür ist es wichtig, dass Gold sich während des Ölschocks und einer eventuellen erneuten Straffung der Zentralbankpolitik relativ gut behauptet.

Der positive Aspekt ist somit vor allem relativ zu verstehen. Gold muss nicht sofort stark steigen, um interessanter zu werden. Wenn der Druck auf KI-Aktien zunimmt und Gold gleichzeitig Stabilität zeigt, könnte sich die Erzählung allmählich von Wachstum und Euphorie hin zu Schutz, Diversifikation und damit zu Gold verschieben.

Fazit

Spannungen zwischen den USA und dem Iran treiben den Ölpreis und die Zinsen nach oben, was Gold unter Druck setzt. Die Charts zeigen jedoch Signale, dass der Goldpreis einen Boden sucht.

Thom Derks

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.