20% RABATT AUF TRANSAKTIONSKOSTEN · CODE: URLAUBSGELD   
Veröffentlicht am:
16.7.2026

Inhaltsverzeichnis

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Bleiben Sie über alles, was Sie über Investitionen wissen müssen, informiert.

Vielen Dank! Ihre Anmeldung wurde erfolgreich verarbeitet.
Hoppla! Beim Absenden Ihrer Anfrage ist etwas schiefgegangen. Bitte versuchen Sie es erneut.

Gold bekommt Zeit, aber keine Antworten

Seit den Höchstständen im Januar sind Gold und Silber um jeweils etwa 30 beziehungsweise 50 Prozent im Wert gefallen. Makrostratege und Edelmetallexperte Willem Middelkoop spricht von einer klassischen Korrektur.

Ausgehend vom aktuellen Kursniveau rechnet er mit einem weiteren Rückgang von 10 bis 20 Prozent. Dem steht seiner Einschätzung nach ein Aufwärtspotenzial von 100 bis 200 Prozent gegenüber. Sollte diese Einschätzung zutreffen, entsteht eine asymmetrische Kaufgelegenheit. Der mögliche Verlust wäre dann relativ begrenzt im Vergleich zum potenziellen Gewinn.

Middelkoop hat unterhalb eines Silberpreises von 60 Dollar jedenfalls wieder mit dem Kaufen begonnen. „Bei 55 Dollar kaufe ich noch mehr. Bei 50 Dollar gehe ich all-in", so Middelkoop. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels notiert der Silberpreis bei 58 Dollar pro Feinunze.

Aus technischer Sicht scheint diese Argumentation für Silber Hand und Fuß zu haben. Bei rund 53 Dollar liegt der 100-Wochen-exponentielle gleitende Durchschnitt. Dieses Niveau fungierte beispielsweise während Trumps Handelskrieg im April 2025 als wichtige Unterstützung für den Silberpreis.

Silber-CFD-Chart

Fällt Silber weiter, ist es plausibel, dass der Kurs an diesem Niveau erneut Unterstützung findet. Aktuell befindet sich Silber technisch gesehen jedoch noch etwas in einem Niemandsland. Von überzeugendem positivem Momentum kann noch keine Rede sein.

Anleger können sich dafür entscheiden, darauf zu warten. Ein mögliches Bestätigungssignal wäre die Rückeroberung des 55-Wochen-exponentiellen gleitenden Durchschnitts bei rund 62 Dollar, dargestellt durch die blaue Linie im obigen Chart.

Jetzt einzusteigen bringt mehr Risiko mit sich, dem aber auch eine höhere potenzielle Rendite gegenübersteht. Middelkoop ist jedenfalls bereit, dieses Risiko einzugehen.

Der Markt bekommt Zeit, aber keine Antwort

Das ist die technische Seite der Geschichte. Für Edelmetalle spielt jedoch auch weiterhin der makroökonomische Kontext eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang stand diese Woche ganz im Zeichen der US-Inflationsdaten, die deutlich milder ausfielen als zuvor erwartet.

Es begann am Dienstag mit dem Verbraucherpreisindex (CPI). Dieser Bericht verschaffte dem Markt Luft, insbesondere weil die Kerninflation niedriger ausfiel als erwartet. Das ist die Variante des CPI, die Energiepreise nicht berücksichtigt und Notenbankern somit zeigt, inwieweit der Anstieg des Ölpreises auf andere Bereiche der Wirtschaft durchschlägt.

Das fiel besser aus als befürchtet, und dasselbe galt für den Erzeugerpreisindex (PPI), der einen Tag später veröffentlicht wurde. Das Ergebnis: Der Markt erwartet plötzlich eine deutlich weniger strenge US-Notenbank. Zuvor rechnete man noch mit etwa anderthalb Zinserhöhungen für 2026 und der Markt sah eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Juli.

Aktuell rechnet man für das gesamte Jahr 2026 nur noch mit etwa einer Zinserhöhung, während die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung im Juli auf 10 Prozent gesunken ist.

Dieses veränderte Bild zeigt sich deutlich an der US-2-Jahres-Rendite. Diese Rendite gilt als recht direkter Gradmesser für die Erwartungen rund um die Zinspolitik der Notenbank.

Nach der Wiederaufnahme des Kriegs mit dem Iran schoss die 2-Jahres-Rendite nach oben. Anleger befürchteten, dass ein höherer Ölpreis die Inflation erneut anheizen und die Notenbank zu Zinserhöhungen zwingen würde. Nach den beiden kühlen Inflationsdaten folgte jedoch ein scharfer Rückgang.

US-2-Jahres-Rendite

Theoretisch sollte das dem Goldpreis Luft verschaffen. Das geschah auch kurzzeitig, insbesondere nach dem kühlen Verbraucherpreisindex. Von einem echten Ausbruch des Goldpreises konnte jedoch keine Rede sein, und dasselbe gilt für den Silberpreis. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass der Markt noch zu wenig Sicherheit hat.

Die abgekühlten Inflationsdaten sind positive Entwicklungen, doch die Wiederaufnahme des Iran-Kriegs hängt wie eine dunkle Wolke über dem Markt. Die Vereinigten Staaten und der Iran greifen sich weiterhin gegenseitig an, wodurch sich der Markt zunehmend Sorgen über einen jahrelangen Konflikt macht.

Mit der Folge, dass der Ölpreis wahrscheinlich noch lange auf erhöhtem Niveau bleibt, insbesondere weil dadurch das Risiko eines erneuten starken Anstiegs auf über 100 Dollar pro Barrel besteht.

Die kühlen Inflationsdaten verschaffen dem Markt daher vor allem Zeit, um durchzuatmen. Sie liefern jedoch noch keine endgültige Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Der Krieg mit dem Iran könnte nämlich noch ein schmerzhaftes Nachspiel bekommen. Steigt der Ölpreis erneut stark, könnte auch die Inflation wieder anziehen. In diesem Fall müsste die US-Notenbank möglicherweise doch strenger vorgehen, als der Markt derzeit erwartet.

Die wichtigsten Entscheidungen wurden damit vor allem aufgeschoben. Die Inflationsdaten dieser Woche verringern die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Juli, verlagern die Diskussion jedoch auf die Zinssitzungen im September und Oktober.

Für Gold und Silber ist das vorerst günstig, aber die Ampel steht noch nicht vollständig auf Grün. Solange der Krieg mit dem Iran andauert, bleibt die makroökonomische Unsicherheit hoch.

Die technische Basis für Gold ist gelegt

Vor diesem makroökonomischen Hintergrund ist es für Goldanleger vor allem eine Frage der Geduld. Die technische Basis für eine zweite Phase der Hausse scheint sich unterdessen immer deutlicher herauszubilden. Sowohl Gold als auch Silber zeigen vermehrt Bodenbildungssignale.

So hält sich der Goldpreis auffallend stark um das Niveau von 4.000 Dollar pro Feinunze. Auf dem Tageschart zeigt sich zudem eine bullische Divergenz. Der Goldpreis bildete ein niedrigeres Tief, während der Relative-Stärke-Index (RSI) hingegen ein höheres Tief bildete. Im Chart ist dies mit weißen Pfeilen gekennzeichnet.

Eine solche Divergenz deutet in der Regel darauf hin, dass das Abwärtsmomentum an Kraft verliert. Verkäufern gelingt es zwar noch, den Goldpreis auf ein niedrigeres Niveau zu drücken, doch der zugrunde liegende Verkaufsdruck lässt nach.

Gold-CFD-Chart, Jahresübersicht

Gleichzeitig bildet die Zone um 4.000 Dollar vorerst eine wichtige Unterstützung. Für einen überzeugenden technischen Ausbruch muss Gold anschließend einige wichtige gleitende Durchschnitte zurückerobern.

Dabei geht es zunächst um den 21-Tage-exponentiellen gleitenden Durchschnitt bei rund 4.132 Dollar, der im Chart gelb dargestellt ist. Danach rückt der 55-Tage-exponentielle gleitende Durchschnitt bei rund 4.313 Dollar ins Bild, dargestellt in Blau.

Gelingt es Gold, diese gleitenden Durchschnitte zurückzuerobern, und fällt das mit einer Verbesserung der makroökonomischen Rahmenbedingungen zusammen, könnte das die ideale Grundlage für die nächste Phase der Hausse bilden.

Fazit

Gold und Silber sind von ihren Höchstständen deutlich gefallen, zeigen aber neue Bodenbildungssignale. Erfahren Sie, welche technischen Niveaus entscheidend sind und was die US-Inflationsdaten für den Goldpreis bedeuten.

Thom Derks

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.