Kann Gold von einem möglichen Wendepunkt für den US-Dollar profitieren?
Der Goldpreis erlitt letzte Woche einen Rückschlag nach der restriktiven Zinsentscheidung der US-Notenbank. Dies ist bemerkenswert, da der Ölpreis seit März um 30 Prozent gefallen ist. Dennoch hat der Zinsausschuss im gleichen Zeitraum eine Kehrtwende vollzogen, von einer Präferenz für Zinssenkungen hin zur Erwartung von Zinserhöhungen.
Infolgedessen legte der US-Dollar kräftig zu und der Goldkurs musste erneut Unterstützung zwischen 4.000 und 4.200 Dollar je Unze suchen. Gold gelang dies, wodurch sich vorsichtig wieder ein positiveres Bild abzeichnet.

Bisher hat Gold lediglich 38 Prozent seines Anstiegs vom Tief im Jahr 2022 bis zum Hoch im Jahr 2026 abgegeben. Rund um das Niveau von 4.081 Dollar je Unze scheint der Goldpreis vorerst ausreichend Unterstützung zu finden.
Sollte Gold anschließend auch den 200-Tage-Durchschnitt bei rund 4.443 Dollar je Unze zurückgewinnen, könnte dies ein Signal dafür sein, dass die Korrektur überstanden ist.
Positive Contrarian-Signale für Gold
Finanzmärkte neigen dazu, Entwicklungen ins Extreme zu treiben. Während des Edelmetallrausches, der im Januar einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, tauchten zunehmend Berichte über das Ende des US-Dollars auf. Auch viele KI-Aktien scheinen derzeit so bewertet zu sein, als hätte die Technologie die Welt bereits vollständig verändert.
Oft sind die Momente, in denen die Überzeugung am größten ist, genau die Momente, in denen ein Wendepunkt näher rückt.
Dasselbe Muster sehen wir nun möglicherweise beim US-Dollar und den Anleiherenditen. Noch bevor die US-Notenbank letzte Woche eine restriktive Haltung einnahm, hatten sich Investmentfonds bereits ziemlich extrem am Zinsmarkt positioniert.
Sie setzten geschlossen auf einen weiteren Anstieg der Anleiherenditen und damit indirekt auch auf einen stärkeren Dollar.

Der US-Dollar stieg außerdem gegenüber dem japanischen Yen, trotz einer seltenen Zinserhöhung der Bank of Japan. Auch die Realzinsen stiegen deutlich an, da die Inflationserwartungen gesunken sind und der Markt für 2026 mittlerweile etwa eineinhalb Zinserhöhungen der US-Notenbank einpreist.
Natürlich könnte der US-Dollar noch einen letzten Sprung nach oben machen. Man weiß schließlich nie genau, wie und wann solche Bewegungen enden. Dennoch beginnt die Positionierung mittlerweile recht extrem zu werden.
Besonders wenn man bedenkt, dass der Ölpreis inzwischen wieder unter 80 Dollar handelt und damit auf das Niveau von vor dem Iran-Krieg zurückgekehrt ist. Die größte Inflationsbedrohung scheint dadurch in den Hintergrund zu treten, zumindest wenn es den Vereinigten Staaten und dem Iran gelingt, ein endgültiges Friedensabkommen zu schließen.
Gelingt dies, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank in diesem Jahr noch Zinserhöhungen vornimmt. In diesem Szenario könnten sich die Markterwartungen schnell von Zinserhöhungen hin zu einem neutraleren Zinspfad verschieben.
Dies würde den US-Dollar unter Druck setzen und Gold genau zum richtigen Zeitpunkt Unterstützung geben. Vorerst hält sich der Goldpreis bemerkenswert stabil rund um die Unterstützungszone von etwa 4.100 Dollar. Sollte der Zins- und Dollardruck anschließend nachlassen, könnte Gold wieder Rückenwind bekommen und möglicherweise den 200-Tage-Durchschnitt zurückgewinnen.
Zinserhöhungen unwahrscheinlich
Selbst wenn die Inflation auf einem etwas erhöhten Niveau bleibt, ist es fraglich, ob die Zentralbank tatsächlich Zinserhöhungen wagen würde. Die Wirtschaft reagiert nämlich nicht als einheitlicher Block auf höhere Zinsen.
Wer nur auf die Gesamtzahlen schaut, sieht robustes Wachstum und eine Inflation, die immer noch zu hoch liegt. Theoretisch macht das eine Zinserhöhung logisch. Aber unter der Oberfläche ist das Bild weniger eindeutig.
Ein wesentlicher Teil der aktuellen Stärke geht auf den Bau von Rechenzentren für KI zurück. Diese Investitionen sind groß, strategisch und werden vor allem von kapitalstarken Technologieunternehmen getragen. Ein etwas höherer Zinssatz wird sie kaum zum Stillstand bringen.
Auch der wohlhabendere Verbraucher ist relativ unempfindlich gegenüber höheren Zinsen. Wer Vermögen in Aktien, Immobilien oder Ersparnissen hat, muss seine Ausgaben nicht sofort zurückschrauben. Höhere Zinsen können dieser Gruppe sogar zusätzliche Einnahmen bescheren.
Der Schmerz trifft vor allem die Mittelschicht und einkommensschwache Haushalte. Genau dort ist der Druck bereits spürbar. Höhere Zinsen treffen also vor allem die ohnehin schon anfälligen Teile der Wirtschaft, während sie wenig gegen die eigentlichen Wachstumstreiber ausrichten.
Damit wird das Zinsinstrument stumpf. Um die KI-getriebene Wirtschaft wirklich zu bremsen, müsste die US-Notenbank wahrscheinlich weitaus aggressiver eingreifen. Aber dieses Szenario erscheint unwahrscheinlich. Ein aggressiver Zinserhöhungszyklus würde nicht nur die Gesamtwirtschaft schädigen, er könnte auch die amerikanische Position im technologischen Wettlauf mit China schwächen.
Alles in allem erscheint es unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank den restriktiven Zinspfad einhalten kann, den der Markt derzeit erwartet. Damit könnte der US-Dollar durchaus kurz vor einem Höchststand stehen, und für Gold könnte das genau die benötigte Unterstützung liefern.
Fazit
Der Dollar steigt aufgrund höherer Zinserwartungen, aber ein Wendepunkt scheint näher zu rücken. Was bedeutet das für den Goldpreis?

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.

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