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Veröffentlicht am:
26.10.2026

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Stress an der Wall Street nimmt zu: dramatische Woche für Gold und Silber

Wir kommen nicht daran vorbei. Gold und Silber machen eine schwierige Phase durch. Vor allem, wenn wir auf die Kurse schauen. In der vergangenen Woche verlor der Goldpreis mehr als 4 Prozent, während Silber sogar um mehr als 6 Prozent fiel.

Die große Frage ist natürlich, warum Edelmetalle so stark unter Druck stehen, während die Unsicherheit in der Welt gerade zunimmt. Im Grunde sind Gold und Silber schließlich dafür gemacht, in einer unsicheren Welt Stabilität zu bieten.

Die Antwort finden wir an der Wall Street, wo die finanziellen Spannungen immer weiter zunehmen.

Anleger beginnen inzwischen ernsthaft an der Tragfähigkeit des KI-Investitionszyklus zu zweifeln, der zu einer wichtigen Triebkraft der US-Wirtschaft und des US-Aktienmarkts geworden ist. Die Finanzierungskosten steigen, die Kreditaufschläge weiten sich aus und die Volatilität nimmt zu.

Vor allem diese Kreditaufschläge sind wichtig. Sie zeigen uns, dass Anleger eine immer höhere Entschädigung für das Risiko verlangen, dass Unternehmen ihre Schulden nicht zurückzahlen können. Das sogenannte Kreditrisiko steigt. Anleger sehen zunehmend Risiken im kreditfinanzierten Ausbau der KI-Infrastruktur.

Kreditrisiko von KI-Unternehmen auf neuem Höchststand. Quelle: Holger Zschaepitz/X

Das schafft potenziell ein grundlegendes Problem. Die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur sind darauf angewiesen, dass weiterhin Kapital verfügbar ist. Sobald Kreditgeber vorsichtiger werden, gerät dieser Investitionszyklus unter Druck.

Genau darüber scheinen sich die Finanzmärkte derzeit Sorgen zu machen.

Warum fallen Gold und Silber dann durch diesen Stress?

Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich. Gold gilt schließlich als sicherer Hafen. Warum fällt der Goldpreis dann ausgerechnet in dem Moment, in dem die Unsicherheit zunimmt?

Die Antwort lautet: In Phasen akuten Finanzstresses achten Anleger nicht ausschließlich auf den fundamentalen Wert ihrer Anlagen. In solchen Momenten wird Liquidität mindestens genauso wichtig.

Investmentfonds müssen Risiken abbauen. Händler, die mit geliehenem Geld spekulieren, können gezwungen sein, Positionen zu schließen, und andere Marktteilnehmer versuchen, ihre Liquiditätsposition zu stärken, bevor echter Stress ausbricht.

In einem solchen Umfeld wird im Grunde alles verkauft. Nicht ohne Grund sahen wir in der vergangenen Woche alles fallen. Das war auch während der Finanzkrise 2008 und des Corona-Crashs 2020 zu beobachten. In beiden Fällen musste auch Gold zunächst heftige Schläge einstecken, bevor es sich anschließend kräftig erholte.

Das bedeutet übrigens nicht, dass sich dasselbe Szenario jetzt automatisch wiederholt. Es zeigt jedoch, dass ein fallender Goldpreis in Phasen von Finanzstress nicht unbedingt etwas über die langfristige Attraktivität von Gold aussagt.

Der Unterschied zwischen der Wall Street und gewöhnlichen Anlegern

Gerade in solchen Momenten ist es wichtig, sich zu fragen, was für ein Anleger Sie eigentlich sind.

Viele professionelle Marktteilnehmer werden ständig an ihren Ergebnissen gemessen. Ein Fonds, der innerhalb kurzer Zeit deutlich hinter dem Markt zurückbleibt, riskiert, dass Anleger ihr Geld abziehen.

Für Händler, die mit geliehenem Geld arbeiten, können Kursrückgänge noch weitaus größere Folgen haben. Sie können gezwungen sein, ihre Positionen zu verkaufen, auch wenn sie fundamental weiterhin von ihren Anlagen überzeugt sind.

Für jemanden, der physisches Gold besitzt, ohne geliehenes Geld und mit einem langen Anlagehorizont, sieht das anders aus.

Ein Kursrückgang von 20 Prozent ist unangenehm. Ein Rückgang von 40 Prozent ist noch deutlich unangenehmer. Doch solange Sie nicht zum Verkauf gezwungen werden, besitzen Sie weiterhin dieselbe Menge Gold.

Letztlich wissen wir alle, wie dieser Sturm enden wird. Wenn die KI-Wirtschaft hier tatsächlich zusammenbricht, ist es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Regierungen und Zentralbanken zur sprichwörtlichen Notenpresse greifen.

Fundamental betrachtet stärken diese Entwicklungen die Argumente für Gold und Silber. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie kurzfristig keine Kursrückgänge verursachen können, wie wir sie derzeit sehen.

Die Kunst besteht darin, in solchen Momenten ruhig zu bleiben. Wenn Sie in einer Position sind, in der Sie diese Phase überstehen können, gibt es keinen Grund zur Sorge. Es geht vor allem darum, durchzuhalten, vielleicht sogar zu niedrigeren Kursen nachzukaufen, und auf den Moment zu warten, in dem sich das Blatt wendet.

Eine Rezession ist nicht schön, aber Gold wird nicht verschwinden. Letztlich wird man auf diese schwache Wirtschaft mit Geldschöpfung antworten. Und genau deshalb entscheiden sich Anleger für Gold und Silber.

Gold und Silber fallen deutlich, während der Finanzstress an der Wall Street zunimmt. Erfahren Sie, warum Anleger Edelmetalle verkaufen und welche Rolle KI spielt.

Thom Derks

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.