Tether kauft mehr Gold als fast alle Zentralbanken

Veröffentlicht am:
4.5.2026

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Nur vier Zentralbanken kauften 2026 mehr Gold als dieses Unternehmen

Tether, der Emittent des weltweit größten Dollar-Stablecoins, erwarb im ersten Quartal 2026 mehr als sechs Tonnen Gold. Damit steigen die gesamten Goldreserven des Unternehmens auf 132 Tonnen, die beim aktuellen Goldpreis einen Wert von nahezu 20 Milliarden US-Dollar haben. Die Käufe im ersten Quartal folgen auf frühere Zukäufe von 21 und 26 Tonnen im vierten und dritten Quartal 2025.

Innerhalb von nur zwölf Monaten hat Tether seine Goldbestände verdoppelt, während sich ihr Wert im gleichen Zeitraum nahezu verdreifacht hat.

Im Gesamtjahr 2025 kaufte der Stablecoin-Emittent mehr Gold als alle Zentralbanken weltweit – mit Ausnahme von Polen. Im ersten Quartal 2026 wurde Tether nur von den Zentralbanken Polens, Usbekistans, Kasachstans und Chinas übertroffen.

Damit entwickelt sich das Unternehmen zunehmend zu einem ernstzunehmenden Akteur im Wettbewerb mit Zentralbanken, wenn es um den Erwerb von Gold geht.

Tethers Goldaktie im Visier. Quelle: Bloomberg

Wie verdient Tether all dieses Geld?

Die entscheidende Frage lautet: Woher stammen die Mittel, mit denen Tether so große Mengen Gold kauft?

Die Erklärung liegt im Geschäftsmodell von Stablecoins. Tether gibt USDT aus, eine digitale Währung, die möglichst stabil bei etwa einem US-Dollar bleiben soll. Nutzer tauschen US-Dollar gegen USDT, und Tether investiert diese Mittel anschließend in liquide und vergleichsweise sichere Vermögenswerte.

Der Großteil dieser Reserven besteht aus US-Staatsanleihen. Nach aktuellen Angaben hielt Tether im ersten Quartal 2026 US-Staatsanleihen im Zusammenhang mit seinen USDT-Reserven im Wert von rund 117 Milliarden US-Dollar. Reuters berichtet sogar von einem gesamten Engagement in US-Staatsanleihen von etwa 141 Milliarden US-Dollar. Auf diese Anlagen erhält Tether Zinseinnahmen.

Hier liegt der Kern der Ertragsquelle: USDT-Nutzer selbst erhalten keine Zinsen, sondern halten lediglich einen digitalen Dollar. Tether hingegen verdient an den zugrunde liegenden Staatsanleihen. Bei der aktuellen Größenordnung der Reserven ergibt sich daraus ein jährlicher Cashflow in Milliardenhöhe.

So erzielte Tether im ersten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 1,04 Milliarden US-Dollar. Die zusätzlichen Puffer über die offiziellen USDT-Reserven hinaus stiegen auf einen Rekordwert von 8,23 Milliarden US-Dollar. Diese Mittel kann das Unternehmen unter anderem für Investitionen in Gold, Bitcoin und weitere Anlageklassen einsetzen.

Vereinfacht gesagt funktioniert Tether damit ähnlich wie ein äußerst profitables, geldmarktfondsähnliches Unternehmen – mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Zinserträge nicht an die Nutzer ausgeschüttet, sondern vom Unternehmen einbehalten werden. Dieses Kapital kann genutzt werden, um die Bilanz zu stärken, neue Investitionen zu tätigen und Goldreserven aufzubauen.

Das erklärt auch, warum Tether als so aktiver Goldkäufer auftreten kann. Das Unternehmen ist nicht darauf angewiesen, kontinuierlich neues Kapital von Investoren aufzunehmen. Solange die Nachfrage nach USDT hoch bleibt und die Renditen auf US-Staatsanleihen attraktiv sind, generiert das Modell weiterhin erhebliche Mittelzuflüsse.

Darin liegt jedoch auch ein Risiko. Das Modell funktioniert nur, solange das Vertrauen in USDT bestehen bleibt und die Reserven ausreichend liquide und sicher sind. Tether ist weder eine Zentralbank noch eine klassische regulierte Bank.

Zwar veröffentlicht das Unternehmen regelmäßig Bescheinigungen über seine Reserven, jedoch keine vollständigen, unabhängigen Prüfungen, wie sie von Kritikern gefordert werden. Gerade diese Kombination aus hoher Profitabilität und begrenzter Transparenz macht Tether zugleich faszinierend und umstritten.

Tether kauft wie eine Zentralbank – agiert aber wie ein Startup.

Während Gold inzwischen klar Teil der Strategie von Tether ist, wirkt die Situation hinter den Kulissen weniger stabil. Vor einigen Monaten holte das Unternehmen zwei erfahrene Edelmetallhändler von der Investmentbank HSBC an Bord.

Mit ihrer Verpflichtung wollte Tether sein Goldgeschäft professionalisieren. Zudem gab es Pläne, durch die Verleihung von Gold zusätzliche Erträge zu generieren. Doch diese Initiative war nur von kurzer Dauer. Bereits Ende März übernahm das Unternehmen wieder die Kontrolle und trennte sich von den beiden Händlern.

Dies passt zu dem Bild, das Tether seit einiger Zeit begleitet: Auf dem Papier ist das Unternehmen äußerst erfolgreich. Es erzielt hohe Gewinne, wächst schnell und baut Reserven auf, die mittlerweile an die einer kleineren Zentralbank erinnern. Gleichzeitig bleiben viele Entwicklungen hinter den Kulissen wenig transparent.

Im Februar wurde zudem bekannt, dass Tether 150 Millionen US-Dollar in Gold.com Incorporated investiert hat. Damit unterstreicht das Unternehmen erneut die zentrale Rolle, die Gold in seiner übergeordneten Strategie spielt.

Das ist bemerkenswert, da Tether aus der Kryptowelt stammt, in der Bitcoin häufig als digitale Alternative zu Gold gesehen wird. Man könnte daher erwarten, dass ein großer Krypto-Akteur primär auf Bitcoin setzt.

Doch Tether verfolgt einen anderen Ansatz: Das Unternehmen hält nicht nur Bitcoin, sondern baut gleichzeitig auch eine bedeutende Goldposition auf. Offenbar sieht eines der größten Unternehmen der Kryptobranche in beiden Anlageklassen einen langfristigen Wert.

Fazit

Tether kaufte mehr Gold als fast alle Zentralbanken und hält nun 132 Tonnen. Wie ein Kryptounternehmen zu einem bedeutenden Akteur auf dem Goldmarkt wird.

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