Silber steigt fast 25% seit dem Tiefstand | KI und Wachstumsmetalle treiben den Preis

Veröffentlicht am:
19.5.2026

Inhaltsverzeichnis

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Bleiben Sie über alles, was Sie über Investitionen wissen müssen, informiert.

Vielen Dank! Ihre Anmeldung wurde erfolgreich verarbeitet.
Hoppla! Beim Absenden Ihrer Anfrage ist etwas schiefgegangen. Bitte versuchen Sie es erneut.

Silber steigt fast 25% seit dem Tiefstand und profitiert vom Fokus auf Wachstumsmetalle

Der Silberpreis befindet sich in einer beeindruckenden Erholung. Vom Tiefstand von rund 61 Dollar pro Unze hat Silber inzwischen fast 25 Prozent zugelegt. In den vergangenen Tagen verlief die Erholung etwas schleppend, doch der Markt versucht sich klar wieder nach oben zu bewegen.

Laut John Caruso van RJO Futures ist es „eindeutig", dass sich der Markt derzeit auf „Wachstumsmetalle" statt auf „Angstmetalle" konzentriert.

Silberpreis ist bereits fast 25% von seinem März-Tiefstand gestiegen. Quelle: GoldRepublic

Warum entwickelt sich Silber derzeit besser als Gold?

Obwohl Silber, wie Gold, als Absicherung gegen monetäre Inflation fungiert, hat das Metall ein zweites Gesicht. Silber ist nämlich nicht nur ein monetäres Metall, sondern auch ein Industriemetall. Und genau das macht es im aktuellen Marktumfeld so interessant für Anleger.

Gold profitiert vor allem von Unsicherheit, sinkenden Realzinsen, Sorgen um Haushaltsdefizite und Misstrauen gegenüber Fiatgeld. Man könnte Gold, wie John Caruso es einleitend tat, als Angstmetall bezeichnen. Das ist die klassische monetäre Rolle von Gold.

Silber bewegt sich oft mit denselben Kräften, erhält aber noch einen zusätzlichen Antrieb: Wirtschaftswachstum.

Derzeit richtet der Markt sein Augenmerk zunehmend auf die industrielle Seite von Silber. Das Metall wird in Computerchips, Solarmodulen, Elektrofahrzeugen, Elektronik, Netzwerkinfrastruktur und Rechenzentren eingesetzt.

Damit befindet sich Silber genau an der Schnittstelle zweier großer Themen unserer Zeit: der KI-Revolution und der Energiewende.

Großes Vertrauen in die KI-Wirtschaft

Der Bau von KI-Rechenzentren erfordert enorme Mengen an elektrischer Infrastruktur, hochwertigen Chips, Kühlsystemen, Verbindern und anderen elektronischen Komponenten. In vielen dieser Anwendungen spielt Silber eine Rolle, da es der beste elektrische Leiter aller Metalle ist.

Während Kupfer häufig für großflächige Infrastruktur eingesetzt wird, wird Silber besonders dort attraktiv, wo Effizienz, Zuverlässigkeit und Leitfähigkeit entscheidend sind.

Das macht Silber empfindlicher für ein Umfeld, in dem der Markt wieder mehr Vertrauen in Wachstum gewinnt. Wenn Anleger vor allem Rezession oder finanziellen Stress fürchten, wird Gold oft bevorzugt. Gold ist dann der reine sichere Hafen.

Sobald sich das Bild jedoch in Richtung einer Kombination aus monetärer Unsicherheit und wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit verschiebt, rückt Silber stärker in den Vordergrund.

Genau das beobachten wir gerade. Der Markt macht sich nach wie vor Sorgen um Inflation, Geopolitik und die Nachhaltigkeit des Währungssystems. Das stützt Edelmetalle im Allgemeinen. Gleichzeitig bleiben die Aktienmärkte, der KI-Zyklus und die Nachfrage nach Industrierohstoffen bemerkenswert stark. Dadurch erhält Silber einen doppelten Rückenwind: Schutz vor Geldentwertung und Wachstumsexposition.

Silber ist keine sicherere Version von Gold, sondern eine Ergänzung

Dennoch ist es wichtig, Silber nicht als sicherere Version von Gold zu betrachten. Dafür ist das Metall schlicht zu zyklisch. Während Gold vor allem als Schutz vor monetärer Unsicherheit, finanziellem Stress und sinkenden Realzinsen gekauft wird, bewegt sich Silber deutlich stärker mit dem Wirtschaftszyklus.

Doch die industrielle Seite wirkt in beide Richtungen. In Phasen von Rezessionsangst, nachlassendem Wachstum oder Stress an den Finanzmärkten kann Silber stärker fallen als Gold. Anleger flüchten dann meist in das reinste monetäre Metall: Gold.

In solchen Phasen hat Silber weniger den Charakter eines sicheren Hafens und verhält sich eher wie eine Risikoanlage.

Deshalb ist Silber vor allem als Ergänzung zu Gold interessant. Gold bildet die defensive Basis: die Versicherung gegen monetäre Unordnung, politische Unsicherheit und finanziellen Stress. Silber fügt dem eine offensivere Komponente hinzu. Es bietet weiterhin Schutz vor Geldentwertung, hat aber zusätzlich Exposure gegenüber Wachstum, Innovation und industrieller Nachfrage.

In einem Portfolio kann Gold daher als stabilerer Anker innerhalb der Edelmetalle betrachtet werden, während Silber mehr Hebelwirkung auf dieselbe monetäre Geschichte bietet. Wenn die Bedingungen günstig sind, kann Silber deutlich stärker steigen als Gold. Dreht sich das Sentiment jedoch, kann dieser Hebel auch in die andere Richtung wirken.

Genau deshalb sollte Silber nicht als Ersatz für Gold betrachtet werden. Es ist vielmehr die dynamische Ergänzung: weniger defensiv, aber mit mehr Aufwärtspotenzial in einem Umfeld, in dem monetäre Unsicherheit mit wirtschaftlichem Wachstum zusammentrifft.

Deshalb entwickelt sich Silber derzeit besser als Gold. Nicht weil Gold seine Rolle verliert, sondern weil Silber in dieser Phase mehrere Geschichten gleichzeitig erzählt. Es ist monetäres Metall, Industriemetall und KI-Metall in einem. Genau diese Kombination macht es derzeit für Anleger attraktiver, die sowohl Schutz als auch Wachstum suchen.

Fazit

Der Silberpreis erholt sich kräftig dank wachsender Nachfrage nach KI, Rechenzentren und Industriemetallen. Warum entwickelt sich Silber derzeit besser als Gold?

Thom Derks

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.