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Kann der Goldpreis dem technischen Niemandsland entkommen?

Veröffentlicht am:
8.7.2026

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Kann der Goldpreis dem technischen Niemandsland entkommen?

Seit seinem Hoch von rund 5.600 US-Dollar je Feinunze im Januar ist der Goldpreis um fast 30 Prozent gefallen. Beim aktuellen Kurs von 4.169 US-Dollar befindet sich Gold im technischen Niemandsland.

Einerseits notiert der Kurs noch immer unter dem wichtigen 200-Tage-Durchschnitt von 4.487 US-Dollar. Das zeigt, dass die Erholung noch nicht überzeugend ist. Andererseits ist Gold wieder über das 0,382-Fibonacci-Niveau gestiegen, gemessen vom Tief aus 2022 bis zum Hoch aus 2026.

Dennoch häufen sich die konstruktiven Signale für Gold. Zwischen 3.900 und 4.100 US-Dollar je Feinunze gibt es eindeutig starke Unterstützung für das Edelmetall.

Der Goldpreis liegt unter dem 200-Tage-Durchschnitt, aber über dem 0,382-Fibonacci-Niveau. Quelle: TradingView

Gleichzeitig entsteht im Tageschart von Gold eine bullische Divergenz. Diese liegt vor, wenn der Kurs ein tieferes Tief bildet, während die RSI ein höheres Tief verzeichnet. Da die RSI ein Momentum-Indikator ist, deutet dies darauf hin, dass der jüngste Rückgang mit weniger Kraft erfolgte.

Bullische Divergenz im Tageschart von Gold sichtbar. Quelle: TradingView

Für Gold bedeutet dies, dass das tiefere Kurstief nicht durch stärkeres Abwärtsmomentum bestätigt wurde. Der Verkaufsdruck scheint also nachzulassen, obwohl der Kurs weiterhin unter Druck steht. Das ist keine Garantie für einen Boden, aber es ist ein konstruktives Signal.

In Kombination mit der jüngsten Erholung über das 0,382-Fibonacci-Niveau wird das technische Bild dadurch etwas positiver. Solange Gold jedoch unter dem 200-Tage-Durchschnitt bleibt, ist es noch zu früh, um von einer überzeugenden Trendwende zu sprechen.


Technische Erholung erhält fundamentale Unterstützung

Die konstruktiven technischen Signale erhalten derzeit auch Unterstützung von der fundamentalen Seite. Ab Mittwoch, dem 1. Juli, begann sich der Goldpreis vorsichtig zu erholen. Diese Bewegung folgte auf Aussagen von Kevin Warsh, dem neuen Vorsitzenden der US-Notenbank, während einer Veranstaltung der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Sintra.

Dort äußerte sich Warsh positiv über den Rückgang der Inflationserwartungen seit der Zinsentscheidung vom 17. Juni. Diese Entscheidung war vom Markt als relativ restriktiv eingestuft worden. Zunächst führte dies zu höheren Zinserwartungen, einem stärkeren US-Dollar und Druck auf den Goldpreis.

In Sintra betonte Warsh jedoch, dass sich die Inflationserwartungen seither abgekühlt haben. Der Markt rechnete daraufhin sofort mit etwas weniger Zinserhöhungen im Jahr 2026. Für Gold war das positiv, da niedrigere Zinserwartungen in der Regel den Druck auf nicht-verzinsliche Anlagen verringern.

Einen Tag später erhielt dieses Bild zusätzliche Unterstützung vom Arbeitsmarkt. Das Beschäftigungswachstum in den USA fiel geringer aus als erwartet, während auch das Lohnwachstum keinen klaren Anlass gab, neue Inflationsängste zu befürchten.

In der Summe sorgte das für ein günstigeres Umfeld für Gold. Die technischen Bodensignale werden dadurch von einem Makrobild unterstützt, in dem sich die Zinserwartungen etwas abkühlen, der US-Dollar weniger stark wirkt und der Druck vom Arbeitsmarkt nachzulassen scheint.


Momentum kommt für Gold zum richtigen Zeitpunkt

An den Finanzmärkten spielt Momentum eine große Rolle. Anleger ziehen oft zu Vermögenswerten, die bereits stark steigen, besonders wenn die Bewegung für den breiten Markt sichtbar wird. Das ist auch menschlich. Es fühlt sich unnatürlich an, in einem Abwärtstrend zu kaufen, während es viel einfacher ist, bei Vermögenswerten einzusteigen, die einen Rekord nach dem anderen aufstellen.

Gerade dadurch entstehen an den Märkten regelmäßig Phasen, in denen sich Kapital immer stärker auf die jeweiligen Gewinner konzentriert. Diese Bewegung kann lange anhalten, wird aber anfälliger, je weiter die Erwartungen steigen und je weniger Raum die Bewertungen für Enttäuschungen lassen.

Diese Dynamik scheint sich derzeit im KI-Komplex zu zeigen. Der Chip-Index (SOX) hat seit seinem jüngsten Allzeithoch mehr als 16 Prozent verloren, während im Tageschart eine bearische Divergenz sichtbar ist. Das ist im Grunde das Spiegelbild der bullischen Divergenz, die sich derzeit bei Gold bildet.

Der Kurs bildete beim Chip-Index ein höheres Hoch, während die RSI einen niedrigeren Höchststand verzeichnete. Das Erreichen des vorläufigen Allzeithochs ging mit weniger Momentum einher. Das deutet darauf hin, dass der KI-Trade derzeit etwas an Kraft verliert.

Beim SOX-Index setzte der Kurs erneut ein höheres Hoch, während die RSI einen niedrigeren Höchststand verzeichnete. Mit anderen Worten: Der neue Rekordstand ging mit schwächerem Momentum einher. Das deutet darauf hin, dass der KI-Trade kurzfristig etwas an Kraft verliert.

Der Chip-Index fällt und zeigt im Tageschart eine bearische Divergenz. Quelle: TradingView

Auch große Namen aus dem Chip- und Speichersektor wie Samsung Electronics, SK Hynix, Micron und ASML entwickeln sich in den letzten Wochen schwächer. Das bedeutet nicht, dass die KI-Story vorbei ist, wohl aber, dass der Markt möglicherweise eine Verschnaufpause braucht.

Für Gold könnte das interessant sein. Sollten Anleger zu der Ansicht gelangen, dass KI-Aktien vorübergehend zu weit gelaufen sind, könnte Kapital nach Alternativen suchen, die bislang zurückgeblieben sind. In diesem Szenario erhält Gold die Gelegenheit, einen Teil des Momentums zu übernehmen, zumal sich auch die technischen Signale vorsichtig verbessern.

Theoretisch könnte dies daher ein interessanter Moment sein, um wieder vorsichtig in Gold zu investieren.

Fazit

Gold zeigt bullische Signale, während die Zinserwartungen sinken. Ist dies der Beginn einer technischen Trendwende beim Goldpreis?

Thom Derks

Thom Derks schreibt für GoldRepublic über Gold, Makroökonomie und Geopolitik. Er studierte Rechtswissenschaften in Leiden und Wirtschaft in Amsterdam. Seine persönliche Faszination für Knappheit und Werterhalt durch Bitcoin und Gold führte ihn in die Welt des Finanzjournalismus. Mit seinem eigenen Newsletter De Geldpers auf Substack erreicht er über 5.800 Abonnenten mit Analysen zu Märkten, Geopolitik und dem Währungssystem.